Loading posts...
Home Sicherheit Gepäck und andere Sicherheitslücken

Gepäck und andere Sicherheitslücken

Ist es möglich Waffen, Sprengstoff und Brandbeschleuniger an Bord zu schmuggeln?

Entgegen aller Beteuerungen der Kreuzfahrtgesellschaften glaube ich, dass aufgegebenes Gepäck nicht systematisch kontrolliert wird. Mehr noch: Das Reisegepäck wird fast ausnahmslos noch vor dem Check-in entgegengenommen und unverzüglich an Bord gebracht. Dafür reichen die Kofferanhänger, die sich die Passagiere zu Hause selbst ausdrucken können. Mit anderen Worten: Ohne zu wissen, ob der Passagier tatsächlich eincheckt, werden die Koffer vor seiner Kabinentür abgestellt. Auf einer Reise mit TUI Cruises lud eine Bordmitarbeiterin mein Gepäck in Gran Canaria direkt am Taxistand auf eine Palette mit weiteren Gepäckstücken. Eine Identifizierung des Passagiers war nicht notwendig. Gleiches Spiel bei Reisen mit Aida und MSC ab Kiel, und ich könnte noch mindestens zehn weitere Beispiele nennen. Bei einer Flugreise wäre das undenkbar. Keine Maschine startet mit dem Gepäck eines Fluggastes, wenn dieser nicht erscheint. Die Entscheidung, ob und wie Gepäck kontrolliert wird, treffen die Gesellschaften nach meinem Kenntnisstand selbst. Im Flugverkehr gibt es ein Luftsicherheitsgesetz mit entsprechenden Verordnungen, das die zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen eindeutig definiert.

Nachdem ich mit dem Bügeleisen mehr oder weniger zufällig einen verbotenen Gegenstand unentdeckt an Bord gebracht hatte, wollte ich den Beweis erbringen und habe viermal die Probe aufs Exempel gemacht. Und zwar auf einer Aida-Kreuzfahrt im April 2015, einer TUI-Reise im Januar 2016, auf einer Reise mit der MSC im Mai 2016 und letztlich im März 2017 auf der Costa Pacifica. Mein Ziel war es zu beweisen, dass es möglich ist, Waffen oder Sprengstoff in größeren Mengen unkontrolliert an Bord zu bringen. Ein mir bekannter Polizeibeamter empfahl mir eine Zigarrenkiste mit Bleifolie zu umwickeln. Auf diese Weise hätte ich ein Behältnis, in dem sich jederzeit Sprengstoff und Handfeuerwaffen mit entsprechender Munition an Bord schleusen ließen. Er bot an, die Box an mehreren Security-Gates eines deutschen Flughafens durch die Scanner laufen zu lassen. Nach mehreren Versuchen an unterschiedlichen Scannern stand fest, dass es die Kiste nie in ein Flugzeug geschafft hätte. Sie wurden immer entdeckt. Nicht so in der Kreuzschifffahrt. Dort wurde mir die Kiste jedes Mal in meinen Koffern frei Kabine geliefert.  Für mich ist das ein Beweis, dass die Koffer vor der Reise nicht, oder nicht mit der notwendigen Sorgfalt, gescannt werden. Es haben auch längst nicht alle (kleinere) Häfen oder Schiffe die entsprechenden Vorrichtungen, speziell in Entwicklungsländern. Der Trend bei größeren Transferhäfen und Schiffen neuester Bauart geht jedoch in die richtige Richtung. Gepäckscanner neuester Generationen werden immer besser und bieten mehr Sicherheit.

 

 

Ich habe Aida, TUI/Mein Schiff und MSC daraufhin gefragt, ob alle Gepäckstücke ausnahmslos durchleuchtet werden, bevor sie an Bord gelangen. Die Antworten von Aida und TUI Cruises waren eindeutig:

„Es werden alle Personen, also Gäste und Crewmitglieder, sowie Gepäckstücke systematisch und ausnahmslos kontrolliert, bevor sie an Bord gelangen.“

Nur MSC verwies mich auf ein Statement des Kreuzfahrtverbandes CLIA, wonach alle Gepäck-stücke durchleuchtet werden müssen. Auf meine Frage, ob sich MSC auch an diese Vorgaben hielte, gab es keine eindeutige Aussage. Es stellt sich daher die Frage, wie es mir gelingen konnte, mehrfach eine Bleikiste an Bord zu bringen, die bei einer systematischen Durchleuchtung sofort hätten auffallen müssen. An Zufall glaube ich nicht. Ich habe entsprechende Fotodokumentationen gemacht und verfüge über Zeugenbeweise in Form eidesstattlicher Erklärungen. Diese stelle ich gerne den Reedereien zur Verfügung, damit sie das Sicherheitsleck schließen können.

Obwohl das Handgepäck intensiver kontrolliert wird, gibt es auch hier Sicherheitslücken. Noch im Januar 2016 habe ich im Hafen von Fuerteventura einen Test vorgenommen: Einen Brandbeschleuniger (Grillanzünder) aus dem Supermarkt, den ich in eine übliche Wasserflasche aus Plastik umgefüllt hatte, konnte ich problemlos durch alle Scanner an Bord bringen. Gleiches Spiel im März 2017 auf der Costa Pacifica im Hafen von Valencia, bei dem es mir gelang, eine Flasche mit hochenzündlichem Alkohol an Bord zu bringen (96%).

Anmerkung: Die brennbaren Flüssigkeiten wurden an Tankstellen, die sich in unmittelbarer Nähe der Schiffe befanden, vor Zeugen entsorgt.

 

 

Comments are closed