In jedem Jahr sterben ca. 400.000 Menschen vorzeitig an den Folgen schlechter Luftqualität. 50.000 davon allein wegen der Seeschifffahrt. Kreuzfahrtschiffe sind dafür mitverantwortlich!

Seit 2016 haben Undercover Fernsehteams mehrfach Feinstaub Messungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen durchgeführt (u.a. ARD Plusminus und ZDF Wiso). Die Ergebnisse waren alarmierend. Gemessen wurden die Ultrafeinen Partikel (UFP) <0,1 µm (Mikrometer). Sie sind hochgefährlich und mitursächlich für Herz-, Kreislauf-, Asthma-, Bronchitis- und Krebserkrankungen. Sie sind ebenfalls ursächlich für die Diskussionen um die zu erwartenden Sperrungen für Dieselfahrzeuge in unseren Großstädten. Eine aktuelle Gefahr an Land, die anscheinend jedoch nicht von Interesse für die Kreuzfahrtbetreiber ist. Wo bleibt da die Fürsorgepflicht für die Passagiere?

In keiner der besagten Dokus erheben die Verantwortlichen Anspruch auf wissenschaftliche Untersuchungen. Das ist auch nicht nötig, denn die Ergebnisse der Stichproben sind eindeutig gesundheitsgefährdend. Das international anerkannte Helmholtz Institut in München bietet an, zusammen mit dem NABU wissenschaftliche Messungen an Bord der Schiffe durchzuführen. Bisher lehnen alle Kreuzfahrtbetreiber dieses Angebot ab – wovor fürchten sie sich? Dabei sind die Reaktionen der Reedereien oftmals grenzwertig und bisweilen zynisch. Mit fadenscheinigen Argumenten wird fast nur die Qualität der Messungen diskreditiert, die eigentlichen Probleme jedoch negiert. Wen wundert’s, denn ein Eingeständnis könnte dramatische wirtschaftliche Folgen haben.

Im März 2017 habe ich selber Messungen auf der Costa Pacifica durchgeführt und wollte wissen, mit welchen Feinstaubbelastungen Passagiere auf den Sonnendecks rechnen müssen. Um gleich vorzubeugen – es handelte sich um private Stichprobenmessungen ohne wissenschaftlichen Anspruch. Meine Stichproben an Bord ergaben Messwerte im Bereich von 17500 µm auf dem Oberdeck vor dem Schornstein bis zu 48600 µm Partikel im Bereich hinter dem Schornstein. Aufgrund des starken Windes fielen die Ergebnisse im Vergleich zu den Messungen französischer und deutscher Journalisten (Plusminus und Wiso) eher „wohlwollend“ aus. Die von mir gemessenen höchsten Stichprobenwerte befanden sich jedoch exakt vor den Ansauglüftern der Klimaanlagen. Der Feinstaub gelangt so in die Kabinen und Innenräume der Schiffe. Zum Vergleich: Stichprobenmessungen im Hamburger Park Planten und Blomen oder an einer Hauptstraße in meinem Heimatort zur Peakzeit ergaben maximale Messwerte zwischen 5000µm und 7200µm.

Warum gibt es auf den Sonndecks der Schiffe keine Messgeräte, die bei Überschreitung von Grenzen den Feinstaubalarm auslösen. Dann würde es jedem Passagier freistehen die gefährdeten Bereiche zu verlassen. Kostengünstige Technologien sind vorhanden, allein es fehlt der Wille zur Aufklärung. Für mich erneut ein Beweis, dass der Profit vor die Sicherheit und Gesundheit der ihnen anvertrauten Passagiere gestellt wird. Die linkischen Versuche der Reedereien dieses Thema zu beschönigen oder zu verdrängen erinnern stark an die Versuche den Klimawandel zu verleugnen.

Ein zusätzliches Phänomen auf der Reise waren unvorstellbare Rußverschmutzungen. Große Flächen der Sonnendecks waren völlig mit Ruß bedeckt. Hinsetzen oder anlehnen an die Reling war nicht möglich. Ruß ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt und man kann nur erahnen mit wieviel Ruß die Umwelt belastet wurde, wenn bereits auf dem Schiff dermaßen große Flächen kontaminiert waren.

Experten des NABU warnen daher vor Kreuzfahrten in der Arktis, denn der Ruß der Seeschifffahrt ist mitverantwortlich für Hälfte des arktischen Klimawandels. Satellitenfotos zeigen bereits erschreckende Ausmaße. Rußverschmutzungen haben einen negativen Klimaeffekt in den Polregionen, da die Sonnenstrahlen nicht mehr vom Eis reflektiert werden, sondern von den verrußten Eisflächen absorbiert werden. Das führt zu einem schnelleren Abschmelzen von Gletschern und Polkappen. (Fotos wurden auf der Costa Pacifica im März 2017 gemacht)